50 Menschen. 2 Tage. Psychodrama-„Prominenz“ wie Gabi Stiegler und Ferdi Buer, neben der jüngsten Psychodramatiker-Generation, neben absoluten Psychodrama-Neulingen. Das Faszinierende daran: innerhalb kürzerster Zeit nicht nur nebeneinander, sondern miteinander und bald auch füreinander. Selten habe ich ein soziometrisches Netz sich so rasant verknüpfen sehen.

Eine Werkstatt – also der fließende Wechsel zwischen Plenum und selbstgewählten Kleingruppen – ist ein Format, wie wir es im Organisationskontext häufig und gerne einsetzen. Doch eine Psychodrama-Werkstatt zu machen, war für uns neu, war ein Experiment: ein Versuch „Lernangebote zu gestalten, in denen kreative Prozesse ausgelöst werden“. So beschrieb Ferdi Buer in seinem Vortrag am Samstagabend auch die Aufgabe von Psychodramatikern in Beratungsprozessen.

 

Sicher war für jeden der 50 Menschen die Werkstatt eine andere, darum kann meine Perspektive nur ein kleiner Ausschnitt sein.

Samstag

In der Großgruppe starteten Uwe Reineck und Gabi Stiegler mit Soziometrie und augenblicklich war die große Vielfalt greifbar: von 30 Jahre Psychodrama-Erfahrung bis Psychodrama-Newbie, von Italien bis vor die Küste Deutschlands, vom Studenten bis zum Unternehmensberater. Dann beschäftigten wir uns erst zu zweit, dann in immer größer werdenden Gruppen damit, was denn unsere Frage an die zwei Tage Werkstatt sei: meine war es, wie denn große Gurppen funktionieren – das sollte ich auch noch sehr eindrücklich beantwortet kriegen…

Mein erster Workshop führte mich zu Ferdi Buer, wo es darum ging „mit Macht in Organisationen zu spielen“. Wir explorierten gemeinsam in einer Skulptur das Machtnetz aus einer Arbeits-Erfahrung einer Teilnehmerin. Gerade die Machtkreise von Männern (in diesem Fall in der Politik), in die Frauen nur schwer (allein) einbrechen können, waren sehr eindrücklich.

Mein zweiter Workshop entführte mich zu Karsten Krauskopf und Olivia Benyouseff, wo es um männliche und weibliche Anteile in jedem von uns ging. Ersteinmal sahen wir uns mit unseren eigenen Stereotypen konfrontiert, bevor wir uns auf eine von Enrique Stola inspirierten – unvoreingenommene – Entdeckungsreise machten…

Am Abend hielt Ferdi Buer fundiert aber herzlich einen Vortrag darüber, wie wir mit dem (scheinbaren) Widerspruch von Funktionieren und Glücklich sein in der Arbeit umgehen können. Sein Fazit fand ich ebenso rührend wie treffend: „Nur wer sich um sein Glück und das seiner Mitmenschen auch in der Arbeit kümmert, kann überhaupt funktionieren und damit gute Arbeit machen. Dieser Umweg muss sein.“

Danach ließ sich die Gruppe mit mir – trotz des langen und anstrengenden Tages – auf ein Soziodrama zum Thema des Vortrags ein. Vielleicht hat nicht jede Stimmung und Idee ihren Weg auf die Bühne gefunden, vielleicht hätten Struktur und Vorgehen auch klarer vorgegeben sein können und doch entwickelte sich eine erstaunliche Geschichte auf der Bühne: Sisyphos auf der Suche nach Glück, zwischen Weg, Ziel, Zwang und Sinnlosigkeit.

Sonntag

In der Großgruppensequenz am Sonntagmorgen hatten alle die Gelegenheit in Zweier-Grüppchen die psychodramatische Basistechnik des Rollentauschs auszuprobieren. Dann ging es wieder in die Workshops.

Der Workshop, den ich leitete, hatte das Thema „Mit Organisationen spielen – Soziodrama“. Das Tolle war: ich musste gar nicht viel tun. Eine Teilnehmerin brachte den Fall eines sehr „ziellosen“ Teams ein, das sie als Supervisorin begleitet. Genau dieses Team brachten wir gemeinsam auf die Bühne und explorierten die soziale Dynamik in diesem Team. Eine wichtige (soziodramatische) Frage war: Was spielt noch eine Rolle? In diesem Fall war das ein anfangs noch verdeckter Einflussnehmer, der ein „Lieblingskind“ in diesem Team hatte.

In meinen letzten Workshop ging ich wieder als Teilnehmer: Mit Gabi Stiegler schauten wir Glaubenssätze an, die unser Leben begleiten, z.B. „Da musst du durch“ oder „Wer mit dem Feuer spielt, wird sich darin verbrennen“. Mehrere Teilnehmer nutzten die Gelegenheit „ihren“ Satz einmal auf die Bühne zu holen, gründlich zu hinterfragen und dann zu verändern.

Zum Schluss gab es in der Großgruppe einen sehr kurzweiligen Rückblick auf die zwei Tage – u.a. mit Skulpturen und kurzen Szenen. Bevor dann mit viel Applaus und Herzlichkeit die Werkstatt zu Ende ging.

 

50 Menschen. 2 Tage. Psychodrama. Ich glaube, dass bei einigen der Funke übergesprungen ist…

Christoph Buckel