Neulich wieder eine typische Situation für mich als Soziodramatiker mit einer Gruppe von betrieblichen Führungskräften: Das Publikum ist aufgebaut, die Bühne leer, erwartungsvolle Blicke auf mich gerichtet.

Was jetzt?

Ich erlebe sie jedes Mal, die Schwelle zwischen Gruppenrealität und Als-Ob, zwischen Konsument und Protagonist, zwischen Zurückhaltung und Aktion: zwischen Publikum und Bühne. Was hilft, dass die Gruppe sich ein Herz fasst und über diese Schwelle geht?

Meine Antwort immer häufiger: Verführung.

  1. Die Magie von Bühne und Publikum inszenieren: Ich lasse die Gruppe eine freie Fläche einrichten und davor mit Stühlen eine Publikumsbestuhlung aufbauen. Schon jetzt vermittle ich das Gefühl, dass auf der Bühne bald etwas ganz besonderes passieren wird.
  2. Die Gruppe beim Thema packen: Steht das Setting, frage ich die Gruppe nach dem Thema (vorher hat es natürlich Erwärmung gegeben), beziehungsweise nach Personen oder Gefühlen, die „eine Rolle“ spielen. Die Erfahrung ist: Ideen kommen hier immer. Bei einem der ersten Teilnehmer, der etwas einbringt, packe ich zu: „Hätten Sie nicht Lust nach vorne zu kommen?“
  3. Auf den Spiellust-Domino-Effekt vertrauen: Mit dem ersten Teilnehmer auf der Bühne starte ich meist mit einem Rolleninterview, verführe zum Als-Ob, die Welt auf der Bühne wird greifbar. Die zweite oder dritte Person auf die Bühne zu bekommen, gelingt mühelos, sobald das Spiel in Gang ist. Dem Sog des „Mitspielen-Wollens“ können sich nur wenige entziehen: Die gibt es natürlich auch, aber das ist auch völlig in Ordnung – es müssen ja nicht alle auf die Bühne.