Soeben erschienen: die neue Ausgabe der Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie. Diesmal hat sich die Redaktion des Themas Sexualität, Erotik, Intimität angenommen, was bei mir zunächst einmal lustvolle Erinnerungen an viele Spiele meiner alten Ausbildungsgruppe in Erinnerung rief („Was würdest Du gern zusammen mit XY machen wollen?“ – „Skifahren in den Bergen.“ – „Zeig mal!“ – Szene Skilaufen: Mit Skilift rauffahren, gemeinsame Schußfahrt abwärts. „Aha: Berg rauf und berg ab; bergauf und wieder bergab; rauf und runter, rauf und runter …. Erinnert Dich das an was?“ :) )

Das Vorwort haben natürlich die Herausgeber des Heftes verfasst, Sabine Kern und Christian Stadler. Die weiteren Beiträge und ihre Abstracts:

 

  • Andreas Schulz:
    Die Löwin und der Schmetterling

    Vertrauen in sich selber und in den Partner sind wesentliche Merkmale für eine liebevolle Beziehung. Psychodramatische Arrangements zielen darauf ab, PartnerInnen neue Erfahrungsräume für eine atmende Liebe zu schaffen.
  • Jutta Fürst & Hannes Krall:
    Sexualität – ein vernachlässigtes Thema in der Psychodrama Ausbildung?

    Das Thema Sexualität ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Öffentliche Medien setzen sich täglich in der einen oder anderen Form mit dem Thema Sexualität auseinander. Und auch in den privaten Lebenswelten spielt der Umgang mit Sexualität über die Lebensspanne hinweg eine wichtige Rolle. Sexualität nimmt Einfluss auf das Wohlbefinden, den Selbstwert, die Gesundheit und auf Beziehungen von Menschen. Umso mehr überrascht es, dass das Thema Sexualität in der psychotherapeutischen Ausbildung einen vergleichsweise geringen Stellenwert einnimmt. Dieser Beitrag befasst sich daher am Beginn mit dem Begriffsverständnis und den historischen und -kulturellen Einflüssen im Umgang mit Sexualität. Weiters wird ausgehend von einem Konzept gesunder Sexualität nach den Möglichkeiten psychotherapeutischer Arbeit gefragt und anhand konkreter Beispiele beleuchtet, wie verschiedene praktische Arbeitsformen in die psychotherapeutische Ausbildung im Psychodrama einfließen können.
  • Gabriela Moita & José Teixeira de Sousa:
    Die Verwendung des Psychodramas in der Sexualtherapie:
    eine Intervention bei Paaren mit Vaginismus

    Dieser Artikel befasst sich mit einer Erfahrung der Behandlung von drei Paaren mit Vaginismus unter Verwendung des Psychodramas. Die Intervention fand in einer Herberge an einem ruhigen Ort abseits der Stadt, wo die TeilnehmerInnen auch wohnten, an einem Wochenende statt. Jedes dieser Paare hatte zunächst eine klassische sexualtherapeutische Behandlung über 10 Sitzungen durchgemacht. Allerdings war es ihnen nach diesen Sitzungen nicht möglich, die vaginale Penetration mit dem Penis zu vollziehen. Während der psychodramatischen Intervention wurden Plenarsitzungen mit den drei Paaren abgehalten, sowie gleichzeitige, aber getrennte Besprechungen mit der Gruppe der Frauen und der Männer. Zweien der drei Paare gelang es, ihre Schwierigkeit bei der Penetration während dieser Behandlung zu überwinden. Zweck dieses Artikels ist es, über die Aktivitäten während des 15-stündigen Wochenendprogrammes zu berichten und darüber zu reflektieren.
  • Arşaluys Kayir & Banu Aslantaş Ertekin:
    Vaginismus – ein geteiltes Geheimnis

    Seit dreißig Jahren finden in der Psychiatrie der Medizinischen Fakultät der Universität Istanbul, Bereich Psychotherapie, Sexualtherapien statt. Geleitet werden sie von PsychologInnen und TherapeutInnen, die dauerhaft dort arbeiten. Die TherapeutenhelferInnen, AssistenzärztInnen und Therapiemethoden befinden sich seit Jahren im Wechsel. Die Haupttherapeutin ist jedoch stets eine Frau, die HelferInnen können sowohl männlich als auch weiblich sein. Die Behandlungsmethode war zunächst das klassische Verfahren der Sexual-Paartherapie. Nach zehn Jahren wurden die sexualtherapeutischen Verfahren mit der Gruppenpsychotherapie verbunden. Seit zwanzig Jahren wird vor allem mit dem Psychodrama gearbeitet. Aufgrund der Kombination von Behandlung und (Fort-)Bildung im Universitätskrankenhaus hat sich dieses System als optimal erwiesen und wird deshalb weiter fortgesetzt. Der vorliegende Artikel schildert die Sexualtherapie im Kontext einer traditionell geprägten Gesellschaft und die Bedeutung des Psychodramas in der Sexualtherapie.
  • Sonja Hintermeier:
    Die Bedeutung von Szenen der Sexualität in der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen
    Menschen mit Persönlichkeitsstörungen leiden oft unter einem Mangel naher Beziehungen oder unter konflikthaften oder belastenden Beziehungen. Sexualität findet oft in ungewöhnlichen Kontexten oder in extremen Formen statt. Erzählungen dieser PatientInnen über sexuelle Erlebnisse spiegeln ihre strukturellen Defizite wider und zeigen die zugrundeliegende Beziehungsstörung in verdichteter Form. Dies lässt sich sowohl für die Diagnostik als auch für die therapeutische Behandlung nutzen. Die psychodramatische Bearbeitung sexueller Begegnungs-Szenen kann helfen, die eigene Rollengestaltung zu reflektieren und die handlungsleitenden „perfekten Ziele“ zu erkennen. Diese Erkenntnisse können dann – vom Sexualitätsthema losgelöst – für die therapeutische Behandlung der zugrundeliegenden Beziehungsstörung genutzt werden.
  • Gabriele Denk:
    Partnerschaft und Sexualität unter erschwerten Bedingungen

    Trotz aller Fortschritte der letzten Jahrzehnte wird das Geschlecht von Menschen mit geistiger Behinderung nach wie vor ausgeblendet und ihre Sexualität tabuisiert. Wie entwickeln nun diese Menschen ihre Rollen als sexuell aktive Männer und Frauen in einer sie behindernden Umwelt? Die psychodramatische Rollen- und Entwicklungstheorie liefert den Rahmen für ein besseres Verständnis der Identitätsentwicklung dieser KlientInnen. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie im therapeutischen Prozess Nachreifung und mehr Rollenflexibilität möglich wird.
  • Kristina Scheuffgen:
    Kinderpsychodrama mit Jungen, die sexuell übergriffiges Verhalten zeigen

    Die Jungen sind im Alter von 8 bis 14 Jahren und in einer, auf diese Thematik der sexuellen Übergriffigkeit spezialisierten, stationären Jugendhilfe untergebracht. In diesem Artikel wird die Arbeit mit der Methode des Kinderpsychodramas, adaptiert nach Aichinger und Holl (1997; 2010), über den Verlauf einiger Sitzungen dargestellt. Die Kontinuität der Sitzungen wird verstärkt durch die gemeinsame Entwicklung einer „Spielgeschichte“. Es lassen sich diagnostische Erkenntnisse für die Störungsbilder und die Ressourcen der einzelnen Jungen ableiten. Reflektionen und Lernerfahrungen ergeben sich sowohl für die Vorgehensweisen der TherapeutInnen in der Umsetzung ihrer Interventionen auf der Handlungsebene als auch für das Behandlungskonzept der Einrichtung insgesamt, das auf der Integration von Therapie und dem stationären Zusammenleben basiert.
  • Mechthild Neises:
    Frauenkörper – Frauenseele

    Die psychosomatische Diagnostik und Therapie hat sich seit den 70er Jahren im Fach Frauenheilkunde etabliert und umfasst ein großes Spektrum an Krankheitsbildern. Dazu gehören psychosomatische Erkrankungen wie auch somatopsychische Erkrankungen in der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie psychische Erkrankungen nach belastenden Lebensereignissen. Das Behandlungsspektrum reicht von der psychosomatischen Grundversorgung, die im Fach Frauenheilkunde obligatorisch ist bis hin zur Einzel- und Gruppenpsychotherapie, die entsprechend der allgemeinen Regeln der Psychotherapie praktiziert wird. Dabei sollte ein gendersensibler Zugang gewählt werden, der den spezifischen Lebenssituationen auch in soziokultureller Hinsicht von Frauen Rechnung trägt.

Das Heft dürfte also wieder eine interessante Lektüre sein. :)

Ulf Klein, Münche